Malen und kreatives Arbeiten: Was können wir daraus für den Alltag mitnehmen?
Kunst ist nicht nur das, was wir erschaffen – sondern auch der Prozess, der unser Denken und Handeln in Bewegung bringt.
Gerade beim Malen wird dieser Prozess sichtbar. Wir beobachten, entscheiden, probieren aus, verändern und suchen nach neuen Möglichkeiten. Genau deshalb kann kreatives Arbeiten auch über den Moment des Gestaltens hinaus interessant sein – und nicht nur als schönes Kunstwerk und Ergebnis.
Was passiert, wenn wir malen?
- Wir aktivieren verschiedene Denkprozesse!
Wenn wir malen, greifen Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Entscheidungsfindung ineinander. Wir müssen beobachten und gleichzeitig Entscheidungen treffen: Welche Farbe passt? Wo soll etwas entstehen? Was möchte ich darstellen? Was möchte ich verändern?
Dabei geht es nicht darum, sofort die richtige Entscheidung zu treffen. Wir reagieren auf das, was vor uns entsteht, und entscheiden immer wieder neu.
- Wir trainieren unsere Flexibilität
Beim kreativen Arbeiten läuft nicht immer alles nach Plan. Eine Idee funktioniert vielleicht anders als gedacht. Eine Farbe wirkt auf der Leinwand plötzlich anders. Eine Form passt nicht mehr zur Komposition. Dann können wir etwas verändern, einen neuen Weg ausprobieren oder unsere ursprüngliche Idee weiterentwickeln. Kreativität bedeutet deshalb auch, mit Veränderungen und offenen Situationen umzugehen.
- Wir schärfen unsere Wahrnehmung
Beim Malen entsteht ein ständiger Vergleich zwischen unserer Vorstellung und dem tatsächlichen Ergebnis; Was hatte ich vor? Was sehe ich jetzt? Was passt zusammen – und was nicht?
Dieser Abstand zwischen Vorstellung und Ergebnis kann uns dazu bringen, genauer hinzuschauen und unsere Entscheidungen zu hinterfragen.
- Wir entdecken neue Wege der Kommunikation
Nicht jeder Gedanke lässt sich sofort leicht in Worte fassen. Ein Bild, eine Farbe, eine Form oder ein Symbol kann manchmal etwas sichtbar machen, das vorher nur als Idee im Kopf existiert hat. Sobald ein Gedanke sichtbar wird, entsteht eine neue Möglichkeit, darüber zu sprechen.
Was hat kreatives Arbeiten mit dem Berufsalltag zu tun?
Diese Erfahrungen beschränken sich nicht auf das Malen. Auch im Berufsalltag entwickeln wir Ideen, treffen Entscheidungen, lösen Probleme, reagieren auf Veränderungen und arbeiten mit unterschiedlichen Perspektiven. Wir müssen manchmal einen neuen Weg ausprobieren, obwohl wir noch nicht wissen, ob er funktioniert. Wir müssen unsere Entscheidungen überprüfen und mit Situationen umgehen, die nicht genau so verlaufen wie geplant.
Kreatives Arbeiten kann einen Raum schaffen, in dem wir solche Prozesse bewusst erleben.
Nicht als zusätzliche Aufgabe. Nicht als Wettbewerb. Und auch nicht unbedingt mit dem Ziel, ein perfektes Bild zu schaffen. Sondern als Möglichkeit, innezuhalten, etwas auszuprobieren, anders hinzuschauen und neue Wege zuzulassen.
Besonders spannend wird es, wenn kreatives Arbeiten gemeinsam stattfindet. Im Arbeitsalltag gibt es viele Gespräche über Aufgaben, Projekte, Ziele und Ergebnisse. Für einen anderen Blick auf Zusammenarbeit bleibt dagegen oft weniger Raum.
Ein kreativer Prozess kann hier einen anderen Zugang ermöglichen. Gedanken werden sichtbar. Unterschiedliche Perspektiven werden greifbarer. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Und manchmal entsteht aus einer zunächst persönlichen Idee ein Gespräch, mit dem niemand gerechnet hat. Dabei steht nicht die künstlerische Leistung im Mittelpunkt.
Es geht um den Prozess: beobachten, ausprobieren, entscheiden, verändern und miteinander ins Gespräch kommen.


